Methodik
Dieses Tool gibt keine Wahlempfehlung. Es macht sichtbar, wie nahe Parteipositionen an deinen Antworten liegen — nachvollziehbar bis auf die letzte Formel.
1. Thesenauswahl
Anders als der Wahl-O-Mat wählen wir Thesen nicht primär danach aus, wo sich Parteien am stärksten unterscheiden, sondern zuerst danach, welche Themen Berlinerinnen und Berlinern wichtig sind (Wählersalienz). Wohnen bekommt entsprechend seiner Dominanz in Umfragen den größten Block. Jede These braucht eine Begründung und mindestens eine Quelle. Zusätzlich gilt ein Differenzierungs-Kriterium: Eine These bleibt nur im Set, wenn mindestens drei Parteien klare, unterschiedliche Positionen dazu haben — der laufende Stand wird automatisch geprüft und ist Teil unserer CI.
2. Parteipositionen
Positionen werden aus den offiziellen Wahlprogrammen extrahiert und mit wörtlichen Zitat-Auszügen belegt. Sekundäre Auswertungen (u. a. rbb24, tagesschau, Tagesspiegel) dienen als zweite Quelle. Jede Position hat einen Verifikationsstatus: „pending“ bedeutet, dass das Zitat noch gegen das Original-PDF gegengelesen wird (Fixpunkt: Faktencheck-Freeze vor dem Launch). Kann einer Partei zu einer These keine klare Position zugeordnet werden, steht sie bei uns ehrlich auf „keine Angabe“ — diese These fließt dann nur für diese Partei nicht in den Prozentwert ein. Das verhindert künstlich hohe Übereinstimmungen von Ein-Themen-Parteien.
3. Berechnung
Übereinstimmung = Σ(Gewicht × Übereinstimmung_i)
/ Σ(Gewicht_i) × 100
Übereinstimmung_i ∈ [0..1]:
identische Position = 1.0
maximale Gegensätzlichkeit = 0.0
Partei „neutral“ = immer 0.5
Gewicht: deine Wichtigkeit 1–5× (statt fixer Doppelgewichtung)
Übersprungene Thesen zählen nirgends.Konfidenzbänder: hoch ≥ 80 % der Antworten verwertbar, mittel ≥ 50 %, niedrig darunter. Die vollständige Implementierung ist Open Source (AGPL) unter packages/engine.
4. Die Landkarte (Kompass)
Partei- und Nutzerpositionen werden nicht manuell platziert, sondern aus denselben Positionsdaten berechnet wie das Matching. Dazu erhält jede Achsen-These eine dokumentierte Richtung: bedeutet Zustimmung eher mehr Staat/Umverteilung bzw. konservativ-traditionell (−), oder mehr Markt/Eigenverantwortung bzw. progressiv-weltoffen (+)? Der Achsenwert ist das gewichtete Mittel aller richtungskorrigierten Positionen, skaliert auf −100…+100. Bei Nutzerinnen und Nutzern zählt eine manuell eingestellte Wichtigkeit (Slider), nicht die automatischen Persona-Voreinstellungen — die Landkarte zeigt, was du denkst, nicht wie wichtig dir ein Thema beim Matching war. Parteien mit zu wenigen klaren Angaben im Achsen-Scope werden gar nicht erst platziert statt an einer erfundenen Koordinate.
Wirtschaftsachse: „Umverteilung / staatlich“ ↔ „Markt / Eigenverantwortung“
Wirtschafts- und Haushaltsfragen: Rolle des Staates vs. Markt, Steuern, Regulierungsdichte.
- Zustimmung → Umverteilung / staatlichBerlin soll zusätzliche Investitionen in Wohnen, Infrastruktur und Schulen auch über neue Kredite und Sondervermögen finanzieren.
- Zustimmung → Umverteilung / staatlichHohe Einkommen und Vermögen sollen in Berlin stärker besteuert werden.
- Zustimmung → Umverteilung / staatlichVergabe öffentlicher Aufträge und Fördermittel soll an Tariftreue und gute Arbeitsbedingungen gebunden werden.
- Zustimmung → Umverteilung / staatlichBei großen privaten Bauprojekten soll die Hälfte der Wohnungen gefördert (mietpreis- und belegungsgebunden) entstehen.
- Zustimmung → Umverteilung / staatlichEin dauerhaftes Privatisierungsverbot für landeseigene Wohnungen soll in der Verfassung von Berlin verankert werden.
- Zustimmung → Umverteilung / staatlichUnbebaute, aber baureife Grundstücke sollen mit einer Grundsteuer C belegt werden, um Baulücken schneller für Wohnungsbau zu mobilisieren.
- Zustimmung → Markt / EigenverantwortungZur Sanierung des Haushalts soll das Personal in der Berliner Verwaltung abgebaut werden.
- Zustimmung → Markt / EigenverantwortungDie Grundsteuer in Berlin soll vollständig abgeschafft werden.
- Zustimmung → Markt / EigenverantwortungDer Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums soll durch Zuschüsse, Steuererleichterungen und Mietkaufmodelle gefördert werden.
Soziokulturelle Achse: „Konservativ-traditionell“ ↔ „Progressiv-weltoffen“
Gesellschaftspolitische Grundsatzfragen: Migration, innere Sicherheit/Bürgerrechte, Lebensweisen.
- Zustimmung → Konservativ-traditionellAbgelehnte Asylbewerberinnen und Asylbewerber sollen konsequenter und schneller abgeschoben werden.
- Zustimmung → Konservativ-traditionellGeförderter Wohnraum soll bevorzugt an Menschen vergeben werden, die in Berlin geboren sind oder lange hier leben.
- Zustimmung → Konservativ-traditionellDie Videoüberwachung in öffentlichen Räumen (z. B. Bahnhöfe, Kieze, Transportmittel) soll deutlich ausgebaut werden.
- Zustimmung → Konservativ-traditionellBerlin soll deutlich mehr Polizistinnen und Polizisten einstellen.
- Zustimmung → Progressiv-weltoffenPolizeiliche Eingriffsbefugnisse (z. B. Einsatz von Stanzern, Identitätsfeststellungen) sollen deutlich begrenzt werden.
- Zustimmung → Progressiv-weltoffenNotunterkünfte für Geflüchtete sollen abgeschafft und durch dezentralen Wohnraum ersetzt werden.
- Zustimmung → Progressiv-weltoffenSprach-, Beratungs- und Integrationsangebote sollen deutlich ausgebaut und besser finanziert werden.
- Zustimmung → Progressiv-weltoffenVersorgungsangebote für queere und trans Personen (Gesundheit, Beratung) sollen deutlich ausgebaut werden.
- Zustimmung → Progressiv-weltoffenBerliner Clubs und die Nachtwirtschaft sollen durch Spielstättenförderung und Schutz vor Verdrängung dauerhaft gesichert werden.
- Zustimmung → Progressiv-weltoffenBerlin soll schrittweise zur Gemeinschaftsschule übergehen, die alle Kinder unabhängig von der Herkunft gemeinsam bis zum Abitur führt.
- Zustimmung → Progressiv-weltoffenBerlin soll sein Klimaneutralitätsziel spätestens 2045 erreichen und die Umsetzung verbindlich finanzieren.
5. Grenzen des Tools
- Thesen vereinfachen Politik; Programme haben Kontext, den ein Satz verliert.
- Regierungsbilanz und Abstimmungsverhalten fließen derzeit nicht ein (geplant).
- Umfragewerte sind Momentaufnahmen mit Unsicherheit, keine Vorhersagen.
- Koalitionsaussagen sind Modellrechnungen, keine Prognosen.
- Kleine Parteien ohne veröffentlichte Programme stehen teilweise durchgängig auf „keine Angabe“ — wir erfinden keine Positionen.
6. Fehler gefunden?
Korrekturen sind willkommen und werden transparent im öffentlichen Änderungslog dokumentiert. Meldungen bevorzugt über GitHub Issues im Projekt-Repository.